Das Ziel

Was es kostet

Die häufigste Rückfrage bei so einer Liste lautet: schön, aber wer soll das bezahlen? Sie ist meist als Gesprächsende gemeint. Es lohnt sich trotzdem, sie ernst zu nehmen und nachzurechnen.


Zwei Posten, die sich beziffern lassen

Für zwei der Bedingungen gibt es belastbare Schätzungen, weil internationale Organisationen sie berechnet haben:

114 Mrd. $ pro Jahr — sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung für alle Menschen in 140 Ländern Weltbank · Hutton & Varughese, Kostenschätzung zu Nachhaltigkeitsziel 6
97 Mrd. $ pro Jahr — die Finanzierungslücke, um Bildung für alle Kinder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu erreichen UNESCO · Global Education Monitoring Report

Zusammen also rund 211 Milliarden Dollar im Jahr. Und jetzt die andere Seite:

2.887 Mrd. $ gaben die Staaten der Welt 2025 für Militär aus — das elfte Wachstumsjahr in Folge, 2,5 % der weltweiten Wirtschaftsleistung SIPRI · Trends in World Military Expenditure 2025

Wasser und Bildung für die ganze Menschheit kosten 7,3 % dessen, was jedes Jahr fürs Militär ausgegeben wird.

Man könnte beides dreizehnmal bezahlen und hätte noch Geld übrig.

Ein einzelner Posten genügt

118,8 Mrd. $ gaben neun Staaten 2025 allein für Atomwaffen aus — das sind 3.768 Dollar pro Sekunde, und 19 % mehr als im Jahr davor ICAN · Premeditated: 2025 Global Nuclear Weapons Spending

Es ist praktisch derselbe Betrag wie für die Wasserversorgung. Was neun Länder in einem Jahr dafür ausgeben, Waffen bereitzuhalten, die niemals benutzt werden sollen, würde reichen, um jedem Menschen auf der Erde sauberes Wasser und eine Toilette zu geben. Nicht einmalig — jedes Jahr aufs Neue.

Und wer bekommt das Geld?

Militärausgaben verschwinden nicht. Sie werden zu Umsatz. Ein erheblicher Teil landet bei einer überschaubaren Zahl von Unternehmen:

679 Mrd. $ setzten die 100 größten Rüstungsunternehmen 2024 mit Waffen um — der höchste je gemessene Wert, plus 5,9 % gegenüber dem Vorjahr SIPRI · Top 100 Arms-producing and Military Services Companies 2024

Davon entfielen allein 334 Milliarden auf 39 US-Unternehmen — 30 von ihnen steigerten ihren Umsatz. Man kann es auch so sagen: Rund ein Viertel der weltweiten Militärausgaben wird zum Jahresumsatz von hundert Firmen.

Was diese hundert Unternehmen in einem Jahr umsetzen, würde fast sechs Jahre lang sauberes Wasser für die gesamte Menschheit bezahlen.

Das ist keine Verschwörung und muss auch nicht als eine erzählt werden. Es ist schlicht ein Markt, der wächst, weil er beliefert wird — und der keinen Grund hat aufzuhören, solange bestellt wird. Die Zahlen stehen offen in den Geschäftsberichten. Man muss sie nur neben die andere Zahl legen.

Die Beobachtung ist nicht neu

Sie ist etwa zweitausendvierhundert Jahre alt und steht im Tao Te King — dieselbe Rechnung, nur in der Währung der Zeit:

„Wenn der SINN herrscht auf Erden,
so tut man die Rennpferde ab zum Dungführen.
Wenn der SINN abhanden ist auf Erden,
so werden Kriegsrosse gezüchtet auf dem Anger.“

Laotse, Tao Te King 46 — deutsch von Richard Wilhelm (gemeinfrei) · nachlesen

Dieselben Pferde. Entweder sie tragen Mist aufs Feld, oder sie tragen Soldaten. Das war die Wahl damals, und es ist dieselbe Wahl heute — nur dass die Beträge größer geworden sind.


Was diese Rechnung nicht sagt

Drei Dinge, die dazugehören, damit die Zahlen ehrlich bleiben:

Nicht alles auf der Liste ist eine Geldfrage. Schablonenfreiheit in der Erziehung, Mentoren statt Aufseher, echte Mitgestaltung, das Recht auf Irrtum — das kostet keinen Cent. Es kostet etwas Schwierigeres: Gewohnheit und abgegebene Macht.

Die Zahlen betreffen den Zusatzbedarf in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, nicht die Weltkosten einschließlich der reichen Länder.

Geld allein setzt nichts um. Man kann die Summe bereitstellen und trotzdem an Verwaltung, Logistik und Krieg scheitern — Krieg ist selbst einer der Hauptgründe, warum Menschen keinen Zugang zu Wasser haben. Die Rechnung zeigt, dass es möglich wäre. Nicht, dass es von selbst geschähe.

Genau deshalb ist sie trotzdem stark. Der Satz „dafür ist kein Geld da“ ist nachweislich falsch. Das Geld ist da. Es ist budgetiert, bewilligt und ausgegeben — für etwas anderes.

Es fehlt nicht das Geld.
Es fehlt die Entscheidung.

Zu den Zahlen. Alle Angaben stammen aus öffentlich zugänglichen Berichten und sind mit Quelle genannt, damit sie nachprüfbar sind: SIPRI für die Militärausgaben und die Rüstungsumsätze, ICAN für die Atomwaffenausgaben, die Weltbank für Wasser und Sanitärversorgung, UNESCO für Bildung. Es handelt sich durchweg um Schätzungen, die je nach Methode schwanken — die Größenordnungen sind belastbar, die Nachkommastellen nicht.